Wertschätzend Klartext reden – Was steckt dahinter?

Inhaltsverzeichnis

Gehörst du eher zu den zurückhaltenden Charakteren?

  • Nimmst dich um des lieben Friedens willen zurück?
  • Kommunizierst freundlich und am liebsten „durch die Blume“?
  • Vermeidest klare Worte – um die Harmonie zu wahren und keinen Streit zu riskieren?

Oder gehörst du auch zu den Menschen, die

  • ihr Gegenüber ganz unmissverständlich in die Schranken weisen können?
  • klipp und klar sagen, wie sie was finden?
  • kein Blatt vor den Mund nehmen und Klartext reden – auch auf die Gefahr hin, dass sie damit andere auch mal vor den Kopf stoßen?

Womöglich kennst du sogar beide Seiten – bist mal so und mal so, ganz nach Tagesform oder abhängig davon, wen du gerade vor dir hast.

1. Zwischen Zaunpfahl und Weichspüler – Was dein Sprechen prägt

Fakt ist: In der Welt, deren Denk- und Sprechweise vermutlich auch du schon von Kindesbeinen an übernommen hast, leben wir in einem Spannungsverhältnis zwischen „Zaunpfahl und Weichspüler“. Spätestens wenn dir etwas nicht passt und die Situation einer Klärung bedarf, musst du dich entscheiden zwischen „klarer Kante“ oder „Kuschelkurs“. Meistens entscheidet das persönliche Temperament oder die Fähigkeit, sich zurückhalten zu können.
Wirklich erfolgsversprechend ist aber weder die eine noch die andere Verhaltensoption, denn: Mit der klaren Kante verprellst du leicht dein Gegenüber, während du auf Kuschelkurs mit deinem Anliegen häufig selbst auf der Strecke bleibst.

2. Raus aus dem Dilemma – Wie du anders sprechen kannst

Dieses Dilemma kannst du nur lösen, wenn es dir gelingt, sowohl klar und prägnant als auch wertschätzend und verbindend zu kommunizieren. In der herkömmlichen Art der Kommunikation erscheint das wie die Quadratur des Kreises. Es geht nämlich darum, Qualitäten zusammenzubringen, die in der üblichen Betrachtungsweise völlig gegensätzlich erscheinen – so wie zum Beispiel heiß und kalt – ohne, dass dabei eine „lauwarme Brühe“ entsteht.

Genau hier setzt die Idee von „Wertschätzend Klartext reden“ an. Das Gute daran:

  • Du magst es, Klartext zu reden?
    Mit „Wertschätzend Klartext reden“ musst du weder Süßholz raspeln noch dir einen Maulkorb verpassen, wenn du mitteilen willst, dass dir was nicht passt.
  • Du magst es lieber harmonisch?
    Damit du endlich besser gehört wirst mit dem, worum es dir geht, brauchst du keine „Kampfmaus“ zu werden und auch nicht darauf warten, bis dir endlich „Haare auf den Zähnen“ wachsen.
    Bei „Wertschätzend Klartext reden“ geht es nicht darum, von dem, wie du kommunizierst, weniger oder mehr zu machen. Es geht darum, es anders zu machen.
 

3. Nichts für die Trickkiste – Warum Kommunikationstricks wenig helfen

Mit „Wertschätzend Klartext reden“ lernst du keine Kommunikationstricks auf die Schnelle. Kommunikationstricks erzielen nämlich nur kurzfristige Effekte. Zudem geht es bei Kommunikationstricks meistens darum, sich selbst besser zu positionieren oder um einen gewieften „Sieg nach Punkten“.

4. Kein Buch mit sieben Siegeln – Sieben Fähigkeiten, die dir weiterhelfen

Ob „Wertschätzend Klartext reden“ gelingt oder nicht, ist kein Zufall. Entscheidend sind sieben konkrete Fähigkeiten:

  1. Raus aus dem Blindflug – Die Fähigkeit, wahrzunehmen, was in der Kommunikation geschieht
  2. Stress lass nach – Die Fähigkeit, dich selbst zu entstressen
  3. Dir Selbst auf der Spur – Die Fähigkeit, dir selbst bewusst zu werden
  4. Ehrlich sein, ohne vor den Kopf zu stoßen – Die Fähigkeit, deine Worte bewusst zu wählen
  5. Spüren können, worum es geht – Die Fähigkeit, den Austausch mit Empathie und Resonanz zu bereichern
  6. Gehört ist noch lange nicht verstanden – Die Fähigkeit, einen aufeinander bezogenen Dialog zu führen
  7. Synergie statt Trennung – Die Fähigkeit, aus einer Haltung zu sprechen, die ein konstruktives Miteinander fördert
 

4.1. Raus aus dem Blindflug – Die Fähigkeit, wahrzunehmen, was in der Kommunikation geschieht

Das bedeutet: Du kannst Stressmomente in der Kommunikation erkennen – sowohl bei dir selbst als auch bei deinem Gegenüber. Nur wenn du merkst, wann Kommunikation in eine Schieflage gerät, kannst du bewusst gegensteuern.

Mit der Fähigkeit, wahrnehmen zu können, was in der Kommunikation geschieht, ist es dir möglich, das kommunikative Geschehen aus einer Art Vogelperspektive betrachten zu können – also jenseits der eigenen emotionalen Betroffenheit. Fachleute sprechen hier auch von der „Metabetrachtung“ oder „Metaebene“ der Kommunikation.

Um die Wahrnehmungsfähigkeit für das kommunikative Geschehen zu stärken, nutze ich gerne unterschiedliche Kommunikationsmodelle. Im Zentrum steht das 4-Stühle-Modell, das ich gerne mit Schulz von Thuns Kommunikationsmodellen, der Transaktionsanalyse und der Gewaltfreien Kommunikation verbinde.

4.2. Stress lass nach – Die Fähigkeit, dich selbst zu entstressen

Stell dir vor: Du hast den ganzen Tag im Homeoffice gerödelt und bist mit deinen ganzen To-Do‘s trotzdem nicht fertig geworden. Von deinem Teil der Hausarbeit ganz zu schweigen: Die drei Berge am Morgen sortierter Wäsche türmen sich auch am Abend noch. Dein*e Partner*in kommt nach Hause, geht ins Bad und begrüßt dich mit folgenden Worten: „Jetzt bist du den ganzen Tag zu Hause und schaffst es trotzdem nicht, die Wäsche zu waschen!“ Dir fällt die Kinnlade runter und dein Puls geht rauf auf 100.
Wenn du diese Situation nicht eskalieren, aber auch nicht unkommentiert stehen lassen möchtest, dann ist es immens wichtig, dich erst einmal entstressen zu können. Solange du nämlich im Stress bist, bist du anfällig für stressgetriebenes, reaktives Verhalten. Es äußert sich in Verhaltensweisen, die aus den ursprünglichen Stressimpulsen des Menschen kommen, nämlich:

  • Kampf = Verteidigung und (Gegen-)Vorwürfe
  • Flucht = Abbruch des Gesprächs
  • Totstellen = Sprachlosigkeit, sich zurückziehen, das Gespräch über sich ergehen lassen

Hier braucht es konkrete Verhaltensweisen, die dir erst einmal helfen, deinen Stress zu reduzieren. Dazu gehören insbesondere:

  • Stressimpulse deines Körpers wahrnehmen
    Dein Körper ist ein wunderbarer Feedbackgeber: Ist alles palletti, ist dein Körper entspannt. Kommst du in Stress, so macht er es verlässlich deutlich – allerdings nur, wenn du die Zeichen deines Körpers bewusst wahrnehmen kannst. Stress zeigt sich insbesondere durch folgende Körperreaktionen:
    • Anspannung der Muskeln
    • Kloß im Hals
    • Druck im Bauch
    • erhöhter Pulsschlag
 
  • Pause vom Stress generierenden Geschehen
    Du merkst, du bist im Stress? Jetzt ist es wichtig, bewusst Abstand zu gewinnen zu der Situation, die deinen Stress auslöst. Am besten ist es, du machst dazu eine Pause. Damit das nicht zur Eskalation der Situation führt, ist es wichtig, deinen Wunsch nach einer Pause verbindend kommunizieren zu können. Wie das gelingen kann, erfährst du unter Punkt 4.4. („Ehrlich sein, ohne vor den Kopf zu stoßen – Die Fähigkeit, deine Worte bewusst zu wählen“).
 
  • Gezielter Stressabbau
    Hast du dir den nötigen Abstand verschafft, geht es darum, dich gezielt zu entstressen. Eine simple Methode, mit der du akuten Stress abbauen kannst, ist bewusstes Atmen: Atme dazu so tief und so langsam wie möglich ein. Halte dann kurz die Luft an und atme dann noch langsamer aus. Wiederhole das, bis du merkst, dass der Stress nachlässt.
 

Manchmal gibt es allerdings Situationen, in denen dir meine Tipps vermutlich nicht weiterhelfen. Das ist der Fall, wenn jemand deine roten Knöpfe drückt. Dann werden die Stressreaktionen zum Selbstläufer – auch wenn du in entspannten Momenten durchaus weißt, dass dich dein reaktives Verhalten (laut werden, sich verletzt zurückziehen oder den Kontakt abbrechen) nicht wirklich weiterbringt.

Ist dein Stresserleben bezogen auf die auslösende Situation auffallend hoch, dann ist das ein wichtiger Hinweis, dass dein emotional erlebter Stress tieferliegende Gründe hat. Häufig berühren sich hier die Arbeit an der individuellen Kommunikationsfähigkeit und die Arbeit mit verletzten inneren Anteilen.

Du kannst an deinen Verhaltensweisen, die durch hohe emotionale Last ausgelöst werden, arbeiten. Dafür stehen dir verschiedene Wege zur Verfügung. Unter diesen kannst du den für dich passenden Ansatz wählen:

  • Geht es dir vor allem darum, störendes Verhalten so zu verändern, so dass du Dinge anders und besser machen kannst und interessiert es dich weniger, welche biografischen Einflüsse dein inneres Erleben beeinflussen? In diesem Fall kannst du mit Ansätzen wie z. B. der kognitiven Verhaltenstherapie oder dem Neurolinguistischen Programmieren (kurz NLP genannt) arbeiten.
  • Kommst du mit verhaltensbezogenen Ansätzen nicht wirklich weiter (was durchaus möglich und gar nicht so selten der Fall ist) oder möchtest du dein inneres Erleben eingehender verstehen, bevor Verhaltensweisen sich verändern dürfen? Sehnst du dich danach, Teile deiner Persönlichkeit „zurückzuholen“ (in der Fachsprache spricht man hier von „integrieren“), zu denen du aufgrund verletzender Erlebnisse in deiner Biografie die emotionale Verbindung verloren hast? Wünscht du dir, dich „heil und ganz“ zu fühlen und magst du einen liebevollen und entspannten Umgang mit dir selbst kultivieren – sogar dann, wenn jemand einen deiner „roten Knöpfe“ drückt?
    In diesem Fall können dir tiefergehende Ansätze weiterhelfen z. B. aus dem Bereich der Biografiearbeit, der Arbeit mit dem Inneren Kind und ganz besonders auch Aufstellungen von Anliegen.
 

Meine langjährige Erfahrung in der Begleitung von Menschen zeigt: Persönliche Themen im Lichte der eigenen Biografie zu bearbeiten, braucht mehr Mut und Entschlossenheit, als lediglich störende Symptome deines inneren Stresserlebens verändern zu wollen. Gleichzeitig hat die Entscheidung, dies zu tun, für mich sehr viel mit Selbstwertschätzung zu tun. Bei dieser Form der inneren Arbeit lernst du nämlich liebevoll ja zu sagen zu deiner biografischen Gewordenheit (also deiner biografischen Prägung) – und ermöglichst dir zugleich, bewusst aus dem Leid alter Verletzungen herauszuwachsen.

Die Biografiearbeit beginne ich sehr gerne mit der Aufstellung eines persönlichen Anliegens nach Prof. Ruppert. Auf diese Weise wird es sehr schnell deutlich, welche biografischen Erlebnisse die Ursache der aktuellen Herausforderungen in deinem Leben sind. Häufig werden dabei auch verletzte und/oder hilflose Seelenanteile sichtbar, die du in früherer Zeit unbewusst verdrängt oder abgespalten hast. Diese können in der Folge einfühlsam und bedürfnisorientiert versorgt werden. Genau das nämlich brauchen diese Seelenanteile, die bis dahin über viele Jahre, häufig sogar Jahrzehnte!, in der emotionalen Abspaltung vor sich hinvegetieren mussten.

In einem meiner nächsten Blogbeiträge erfährst du, was nach meiner Erfahrung bei der Arbeit mit verletzten inneren Anteilen wichtig ist, damit du effizient weiterkommst. Denn ja, auch wenn es vor allem um die Integration von verletzten Anteilen und die empathische Begegnung mit ihnen geht – letztlich sollen deine Bemühungen ja auch einen spürbaren Effekt haben, so dass du zunehmend entspannter mit auch starken Stressmomenten umgehen kannst.

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4.3. Dir selbst auf der Spur – Die Fähigkeit, deiner selbst bewusst zu werden

Spätestens wenn „der Bauch grummelt“ merkst sicher auch du, dass etwas nicht stimmt. Doch weisst du dann auch, worum es dir dann tatsächlich geht? Falls nein, dann kann ich dich beruhigen: Den meisten Menschen geht es so wie dir.
Bei „Wertschätzend Klartext reden“ geht es deshalb auch darum, die eigenen Gedanken und Gefühle besser „lesen“ zu können und sie in Bedürfnisse zu übersetzen – also das, worum es einem im Grunde letztlich geht.
Für diesen Prozess sind einmal mehr die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation ganz besonders hilfreich – in diesem Fall intern als sog. „Selbstbewusstwerdungsprozess“ angewandt.
Du möchtest mehr über die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation und über Bedürfnisse erfahren? Dann lies dazu in meinem Blogbeitrag „Gewaltfreie Kommunikation: Die 4 Schritte – So gelingt es wirklich“– entweder ganz oder lediglich Punkt 3.3., sofern du nur mehr über Bedürfnisse erfahren magst.

4.4. Ehrlich sein, ohne vor den Kopf zu stoßen – Die Fähigkeit, deine Worte bewusst zu wählen

Bei den sprachlichen Fähigkeiten geht es darum, dass du dich so mitteilen kannst, dass dein Gegenüber das, was du sagst, gut hören und annehmen kann.
Zu den sprachlichen Fähigkeiten gehört es deshalb insbesondere, Formulierungen wählen zu können, die kein Eskalationspotenzial beinhalten und trotzdem klar auf den Punkt bringen, worum es dir geht.
Auch hier arbeite ich wieder mit den 4 Schritten der Gewaltfreien Kommunikation. Ich habe bislang keine Kommunikationsmethode kennengelernt, und ich kenne wirklich viele, die so klar und eindeutig dabei hilft, eine andere, konstruktive Form des Sprechens zu entwickeln. Salopp gesagt sind die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation eine Art „Formatvorlage“, die du immer und immer wieder nutzen kannst, wenn du „Wertschätzend Klartext reden“ möchtest.
Du bist neugierig und möchtest jetzt schon erfahren, welche alltäglichen Formulierungen leicht Stress auslösen und die Situation schnell eskalieren lassen? Dann lies doch unter Punkt 5 meines Blogbeitrags „Gewaltfreie Kommunikation – Was ist das und was bringt es“ nach.

4.5. Spüren können, worum es geht – Die Fähigkeit, den Austausch mit Empathie und Resonanz anzureichern

Gehört und im Sinne des Gemeinten verstanden zu werden ist eine feine Sache – letztlich aber nicht alles. Du möchtest ja auch Wirkung erzielen! Wirkung erzielst du, wenn dein Gegenüber bereit ist, etwas zu tun, damit sich das erfüllt, was dir wichtig ist.

Damit das gelingt, ist es wichtig, dass du nicht nur Informationen, Argumente oder Bitten vermittelst, sondern sichtbar machst, welche emotionale Bedeutung die jeweiligen Informationen, Argumente oder eine ganz konkrete Bitte für dich haben. Durch diese „emotionale Anreicherung“ erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass dein Gegenüber nicht nur mit dem Kopf, sondern auch gefühlsmäßig damit in Beziehung treten kann, was dir wichtig ist. Wenn dein Anliegen dein Gegenüber emotional erreicht und es nachvollziehen kann, wie du dich fühlst und was dir auf der Ebene deiner Bedürfnisse wichtig ist, dann wird es weitaus wahrscheinlicher, dass es auch einen Beitrag zu ihrer Erfüllung leisten mag.

Die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation helfen dir dabei, so zu sprechen, dass du Empathie und Resonanz fördern kannst durch die Art, wie du etwas sagst. Die Fähigkeit, eigene Gefühle und Bedürfnisse klar benennen zu können, ist hierfür zentral – allerdings nicht ausreichend. Wenn du sie als bloße Vokabeln benutzt, dann klingt das schnell mechanisch und wie aus der Retorte. Resonanz kannst du dann befördern, wenn du deine Gefühle und insbesondere Bedürfnisse in einer „belebten“ Energie vermitteln kannst.

Hierfür ergänze ich die Arbeit mit den 4 Schritten der GFK durch die Arbeit mit der „lebendigen Energie von Bedürfnissen“, wie ich sie bei dem leider bereits verstorbenen US-amerikanischen GFK-Trainer Dr. Robert Gonzales kennenlernen und in zahlreichen Weiterbildungen vertiefen durfte. Erst wenn GFK aus der lebendigen Energie der Bedürfnisse gesprochen wird, klingt sie natürlich und anschlussfähig.

Ebenso wichtig ist es allerdings, dass auch du mit dem in Resonanz treten kannst, was dein Gegenüber bewegt. Bedauerlicher Weise haben die wenigsten Menschen es gelernt, eigene Gefühle und Bedürfnisse bewusst wahrnehmen und klar benennen zu können. Willst du „Wertschätzend Klartext reden“ wirkungsvoll leben, dann wird es in der Regel vor allem deine Aufgabe sein, die Worte deines Gegenübers mit Empathie zu hören und mit dem, was dein Gegenüber bewegt, in Resonanz zu treten. Das wird möglich, wenn du das, was dein Gegenüber sagt, in Gefühle und Bedürfnisse übersetzen und dich dabei mit der lebendigen Energie der Bedürfnisse deines Gegenübers zu verbinden vermagst – unabhängig davon, wie klar und freundlich den Gegenüber sein Thema konkret zum Ausdruck bringt.

Für die Förderung deiner empathischen Kompetenzen kann die GFK mit ihrem klaren Gefühls- und Bedürfniswortschatz eine wertvolle Unterstützung sein. Deine Resonanzfähigkeit entwickelst du insbesondere durch Übungen, die dir helfen, mit der lebendigen Energie von Bedürfnissen in Verbindung zu kommen und durch die Arbeit mit Menschen, die mit einer hohen Resonanzfähigkeit mit dir in Beziehung treten können.

4.6. Gehört ist noch lange nicht verstanden – Die Fähigkeit, einen aufeinander bezogenen Dialog zu führen

Die Fähigkeit zu sagen, worum es dir geht, ist das eine. Dass es wirklich so ankommt, wie du es meinst, das ist das andere. Das hast du sicher auch schon häufiger festgestellt – zum Beispiel, wenn mal wieder jemand an dir vorbeiredet oder es Ärger wegen eines Missverständnisses gibt.

Eine gute Kommunikation setzt deshalb immer auch voraus, dass die miteinander sprechenden Menschen sich so verstehen, wie sie es jeweils auch meinen. Qualitätssicherung ist dafür das A und O. Konkret bedeutet das: Es geht darum, so kommunizieren zu können, dass du immer wieder gezielt überprüfen kannst, ob das tatsächlich Gesagte und das letztlich Verstandene übereinstimmen und damit deckungsgleich sind. Meine Erfahrung zeigt: Genau das tun die allerwenigsten Menschen!

Wie du überprüfen kannst, ob das Gemeinte und das Verstandene wirklich übereinstimmen – auch da hilft dir die GFK mit ihren unterschiedlichen Bitten weiter. Du willst gleich mehr dazu erfahren? Dann lies in meinem Blog-Beitrag: „Gewaltfreie Kommunikation: Die 4 Schritte – So gelingt es wirklich“ unter Punkt 3.4. nach.

4.7. Synergie statt Trennung – Die Fähigkeit, aus einer Haltung zu kommunizieren, die konstruktives Miteinander fördert

Es gibt viele Denkstrukturen, Paradigmen und Glaubenssätze, die Menschen daran hindern, einen konstruktiven Austausch auf Augenhöhe zu führen. Das heißt:
Die Art, wie du über dich, dein Gegenüber oder auch über die Welt denkst, entscheidet maßgeblich darüber, ob dir „Wertschätzend Klartext reden“ gelingt – oder eben auch nicht.
Anbei ein paar Denkstrukturen und Glaubenssätze, die „Wertschätzend Klartext reden“ entgegenstehen:

  • Die Suche nach dem Schuldigen
  • Wer hat Recht, wer liegt falsch?
  • Das kann man doch nicht sagen!
  • Manchmal muss man auch nachgeben.
  • Nur die Harten kommen in den Garten.

„Wertschätzend Klartext reden“ lädt dich ein und fordert dich heraus, althergebrachte und oftmals unbewusst übernommene Denkstrukturen, Paradigmen und Glaubenssätze loszulassen und durch neue, beziehungsförderliche Denkstrukturen, Paradigmen und Glaubenssätze zu ersetzen. Das ist nicht immer leicht, denn häufig sind sie Teil deiner Identität geworden oder haben dir dabei geholfen, dich vor Schmerz oder Überforderung zu schützen.
Um die Haltung von „Wertschätzend Klartext reden“ zu vermitteln, arbeite ich sehr gerne mit dem 4-Stühle-Modell. Das 4-Stühle-Modell habe ich 2009 beim US-amerikanischen GFK-Trainer Gregg Kendrick kennengelernt. Es gründet auf dem 4-Ohren-Modell der GFK. Seit 2009 habe ich das 4-Stühle-Modell kontinuierlich weiterentwickelt.

Mittlerweile fügen sich rund um das 4-Stühle-Modell

  • die Gewaltfreie Kommunikation,
  • Schulz von Thuns Vier-Seiten-Modell,
  • die Transaktionsanalyse,
  • die Arbeit mit dem Inneren Kind,
  • Aspekte der transformativen Traumaarbeit sowie
  • tiefenpsychologische Betrachtungen

zu einem kohärenten, d.h. in sich stimmigen, Ganzen. Durch das 4-Stühle-Modell gewinnen somit nicht nur Einsteiger*innen, sondern auch Menschen mit fundiertem Vorwissen neue Einsichten in die Psycho-Logik zwischenmenschlicher Kommunikation und die empathische Arbeit mit verletzten Anteilen.

Während die Technik der GFK recht schnell und einfach zu erlernen ist, braucht die erforderliche Haltungsänderung wesentlich mehr Zeit. Gleichwohl lohnt sich der Aufwand, denn die neue Haltung hilft dir dabei, von einschränkenden Erwartungshaltungen an dich oder auch andere Menschen freier zu werden. Stattdessen schenkt dir die neue Haltung Raum, um dich mehr und mehr zu entfalten – im Kontakt mit dir selbst wie auch im Kontakt mit anderen Menschen.

5. Wertschätzend Klartext reden – so schaffst du das

Wenn du bis hierher gelesen hast, dann weißt du nun, was es braucht, damit „Wertschätzend Klartext reden“ gelingt. Womöglich fragst du dich jetzt, wie auch du diese Fähigkeiten entwickeln kannst?
Damit es mit „Wertschätzend Klartext reden“ auch bei dir klappt, brauchst du

  1. die Bereitschaft, dich selbst konstruktiv-kritisch reflektieren und dazu lernen zu wollen
  2. konkretes Know-how – ganz nach dem Motto: „Gewusst wie“
  3. eine Menge Übung – weil du sicherlich auch aus eigener Erfahrung weißt: Übung ist es, die dich zum Meister bzw. zur Meisterin macht.

Die Bereitschaft, dich selbst konstruktiv-kritisch reflektieren und dazu lernen zu wollen ist etwas, das du selbst mitbringen musst. Solange du denkst, dass du kommunikativ im Grunde alles richtig machst und es daher vor allem an deinen lieben Mitmenschen liegt, wenn der Austausch in die Schieflage gerät, bleibst du abhängig von den anderen – anstatt eigenverantwortlich und unabhängig vom Außen das Ergebnis deiner Kommunikation in die Hand zu nehmen.

Das konkrete Know-how kannst du dir in Einführungskursen zur Gewaltfreien Kommunikation oder aber auch in meinen Grundlagenkursen zu „Wertschätzend Klartext reden“ abholen. Während in den Einführungskursen zur Gewaltfreien Kommunikation die Haltung und Technik der GFK im Mittelpunkt steht, setze ich die GFK in meinen Grundlagenkursen in einen erweiterten Kontext, indem ich die GFK auch mit anderen (kommunikations-)psychologische Ansätzen verbinde. Meine langjährige Erfahrung zeigt: Wenn die Methoden der GFK auch über das GFK-Mindset hinaus Sinn ergeben, erhöht sich die Bereitschaft, die anfangs doch recht eigenartig anmutenden Kommunikationsmuster der GFK anzuwenden. Hier kommen nun auch die Übungsgruppen ins Spiel:

Vor allem das kontinuierliche Üben trägt dazu bei, dass sich die neue Sprache der GFK nicht mehr so ungewohnt anhört. Der regelmäßige Besuch einer Übungsgruppe hilft dir zudem, am Ball zu bleiben, so dass du nach und nach neue, GFK-mäßige Sprachmuster entwickeln kannst. In Übungsgruppen kannst du dich mit Gleichgesinnten ungeniert ausprobieren und bekommst konstruktives Feedback. In der „freien Wildbahn“ ist das leider nicht immer so. Da reagieren Menschen schnell „verschnupft“, wenn du sie zu persönlichen Übungszwecken zu deinen „Versuchskaninchen“ machst. Wenn du allerdings die GFK richtig gut beherrscht und damit natürlich „Wertschätzend Klartext reden“ kannst, dann kannst du dir sicher sein: Das finden die meisten Menschen dann doch ziemlich dufte.

Piroska Gavallér-Rothe

Piroska Gavallér-Rothe

Kommunikations-Coach, Buchautorin, Speakerin
Hallo, ich bin Piroska

Wenn Du tiefer einsteigen willst, kontaktiere mich gern!

Dies ist ein Bild von Piroska-Gavaller-Rothe, Kommunikationstrainerin

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